Richtiges Forschen ist Forschen am eigenen Gehirn. Aber bei Dissertationsthemen wie »Das Liebesleben der Eintagsfliege« oder »Der Schmelzpunkt von Wasser« frohlockt auf den ersten Blick keine Synapse im Doktoranden-Gehirn. Wie kann ein Dissertationsthema dynamisch mitreißen, aber auch wissenschaftlich ergiebig sein?

So sollte ein Dissertationsthema beschaffen sein

Idealerweise sollte während der langen Promotionsphase von 2 bis 7 Jahren das Diss-Thema niemals langweilig und dennoch ein Meilenstein in der Forschungsgeschichte werden.

Wie kommt man zu einem Thema für die Dissertation? Meistens hat man während seines Studiums ein Thema genauer ins Auge gefasst; hat ein Seminar dazu besucht; hat ein Spezialmodul gewählt oder hat sich in einem Referat damit beschäftigt.

Was es auch ist, es lässt einen gedanklich nicht mehr los. Je mehr man sich damit beschäftigt, umso mehr Fragen wirft es auf. Findet man teilweise Antworten in der Forschungsliteratur, sieht man die Probleme, die ein anderer Autor nicht behandelt hat. Sucht man weiter, findet man keine Literatur für die eigenen speziellen Fragen. Aber die eigenen möglichen Antworten leisten einen Beitrag für ein größeres, aktuelles Forschungsthema.

So eine Art von Dissertationsthema lohnt sich genauer unter die Lupe zu nehmen und vielleicht zur Probe ein Exposé als eigenes Forschungsvorhaben anzufertigen: Das Disserationsthema

  • lässt die Gedanken sprudeln,
  • die Forschungsliteratur ist vorhanden,
  • sie ist kritisierbar und erweiterbar,
  • das Thema eröffnet Details,
  • ist wichtig für ein größeres Forschungsfeld (und deshalb auch später gut als Dissertation zu veröffentlichen).

Wovon kann ein gutes Dissertationsthema für die Promotion noch abhängen?

Weitere Kriterien können in die Überlegungen einfließen. Beispielsweise kann der Betreuer bereits ein Thema ins Auge gefasst haben. In einem solchen Fall sollte man es sich gut überlegen, ob dies tatsächlich auch das eigen Thema ist, das die oben beschriebenen Kriterien erfüllt. Man sollte sich nicht von einer vorschnellen Zusage seitens des Doktorvaters verleiten lassen. Es erspart am Ende viel Zeit und Frust, das Thema einer genauen Prüfung zu unterziehen.

Für die Wahl eines Dissertationsgegenstands spielen auch praktische Erwägungen eine Rolle:

  • Gibt es einen Experten, mit dem man reden kann?
  • Sind noch nicht untersuchte Dokument in Archiven oder Nachlässen vorhanden?
  • Komme ich leicht an sie heran und darf ich sie für meine Forschung benutzen?
  • Spreche ich alle Sprache, die ich für die Forschungsarbeit benötige?

Auch wenn diese Fragen noch nicht mit einem klaren »Ja!« beantwortet werden können, mit viel Arbeitseinsatz und starken Nerven kann jede Dissertation zu einem Sternchen-Thema werden. Wenn man mit einer Energie wie Alexander von Humboldt forscht, wird der Schreibtisch zum Amazonas und der Bleistift zur Machete. Sie schneidet durch den undurchdringlichen Dschungel der aktuellen Forschung und legt Unbekanntes zum eigenen Dissertationsthema frei.